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09 /2018

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In Kooperation

MARKET 

Smarthome-News | 

11

René Senn

Fachgruppe Intelligentes

Wohnen der GNI

DER AUTOR

DIE GNI

In der GNI sind Hersteller,

Systemintegratoren und

Dienstleistungsanbieter or-

ganisiert, um das Smart­

home in der Schweiz nach-

haltig zu fördern. Bereits

seit dem Jahr 2000 enga-

giert sich ihre Fachgruppe

«Intelligentes Wohnen» für

dieses Ziel. Sie organisiert

unter anderem Smarthome-Tagungen und ist auch

Mitinitiatorin des Jahrbuchs

«Intelligentes Wohnen». Die

Fachgruppe arbeitet eng

mit dem VSRT, dem VSEI

und weiteren Verbänden

zusammen, denn Vernet-

zung fordert alle Branchen.

Vertiefte Informationen und

Ausbildung sind weitere

wichtige Aufgaben der

Fachgruppe.

Ein Ausblick Richtung IoT

Was bedeutet, kurz zusammengefasst, IoT? Nichts anderes,

als Geräte untereinander zum Kommunizieren zu bringen,

in diesemFall über das Internet. Dinge direkt mit dem Inter-

net zu verbinden und so einen einfacheren Zugang zu Infor-

mationen zu erhalten, ist der aktuelle Trend, der durch die

Digitalisierung vorangetriebenwird. Alle Geräte ans Internet

zu hängen, hört sich imerstenMoment toll an. Bei genauerer

Betrachtung sind aber vor allem vier Aspekte wichtig:

··

Erstens die Sicherheit vor dem Zugriff von aussen. Sie

muss sehr genau betrachtet werden, nimmt doch mit

steigender Verbreitung einer Technologie auch die

Wahrscheinlichkeit zu, dass Geräte gehackt werden und

sich unbefugte Personen Zugriff auf sensible Daten ver-

schaffen wollen.

··

Zweitens die Interoperabilität, das heisst die Möglich-

keit, Geräte unterschiedlicher Hersteller im gleichen

Netz zu verbinden. KNX ist dafür ein gutes Beispiel.

··

Drittens die Art der Vernetzung. Drahtgebundene Tech-

nologien sind für Nachrüstungen nicht ideal. Funk wäre

eine naheliegende Lösung, weil sie die Geräte flexibel

platzierbar und unabhängig von einer fixen Verdrah-

tung macht, wenn da nicht das Problem der Energiever-

sorgung wäre.

··

Die Energieversorgung ist folglich der vierte Punkt.

Denn aufgrund der steigenden Anzahl der vernetzten

Geräte steigt auch der Energiebedarf des Systems. Na-

türlich benötigt auch eine funkbasierte Vernetzung

Energie – je nach eingesetzter Technologie. WLAN ist

deshalb keine Alternative, da der Energiebedarf dafür

zu hoch wäre.

Thread als energieeffizientes Netzwerk

Geräte in einem Heimnetzwerk herstellerübergreifend zu

vernetzen, ist also nicht ganz trivial: Die Verbindung muss

unterbrechungsfrei und sicher sein und wie erwähnt mög-

lichst wenig Energie verbrauchen.

Die in der Branchenorganisation Thread vertretenen

Hersteller wollen das garantieren, indem sie ein spezielles

Augenmerk auf den Energieverbrauch der Sensoren legen.

Denn viele dieser Sensoren sollen zukünftig mit Batterie

gespeist werden. Thread basiert auf einem Mesh-Netzwerk

(Maschennetzwerk), das sich, wie es für die Geräte (Senso-

ren und Aktoren) ambesten eignet, selbstständig, sicher und

zuverlässig via Funk im ganzen Haus aufbaut. Dank dieses

Vorgehens kann die Sendeleistung der einzelnen Geräte si-

tuativ, und selbstständig durch die Geräte, optimiert wer-

den. Fällt ein Knoten (Aktor oder Sensor) aus, sucht sich das

Netzwerk einfach einen neuenWeg, umkeine Lücke entste-

hen zu lassen. Thread geht davon aus, dass es in Zukunft

eine Vielzahl von Produkten für das Smarthome unterstüt-

zen kann, zumBeispiel Beleuchtung, Zutrittskontrolle, Hei-

zung, Klimatisierung, Energiemanagement und Sicherheit.

Interoperabilität ist sichergestellt

Die Interoperabilität vonThread wird durch seinDesignmit

bewährten, offenen Standards und IPv6-Technologie mit

6LoWPAN als Grundlage sichergestellt. IPv6 garantiert die

Verfügbarkeit einer riesigen Anzahl IP-Adressen, was wich-

tig ist, weil alle Komponenten im Prinzip direkt im Internet

verfügbar sein können und nicht mehr zwingend in einem

Subnetz zuhause abgetrennt werden müssen. 6LoWPAN ist

die Abkürzung für «IPv6 over Low Power Wireless Personal

Area Network». Dieses Netzwerk ist zu vergleichenmit dem

von Swisscom aktuell stark beworbenen Low Power Net-

work (LPN). Beide Netze benötigen für den Betrieb der Sen-

soren viel weniger Energie als via Wi-Fi. Thread-Netzwerke

werden derzeit noch mit einemGateway zumNetzwerk be-

ziehungsweise Internet abgeschlossen, weil sie sich um die

Anwendungen in und ums Haus kümmern. Sie verwenden

ein Authentifizierungsschema mit AES-Verschlüsselung,

um Sicherheitslücken zu schliessen, die in anderen draht-

losen Protokollen unter Umständen existieren.

Bedeutung für die Praxis

Thread wird kurzfristig noch nicht in den Schweizer Markt

der Gebäudeautomation eindringen. Es gibt im Moment

also keinen Grund, auf Produkte zu warten, dafür ist die

Technologie noch zu jung. Erste Geräte existieren in den

USA und in der Schweiz allenfalls im Labor. Mittelfristig

könnte die Branchenallianz aber Marktanteile gewinnen,

deshalb gilt es, diese Technologie im Auge zu behalten.

Die KNX Association hat sich aus diesem Grund bereits

mit Thread an einen Tisch gesetzt und eine Kooperation

vereinbart. An der Light and Building 2018 skizzierte sie

Ideen, wie einThread-KNX-Gateway aufgebaut sein könn-

te und was der Nutzen einer solchen Anwendung wäre: die

Integration von vernetzten IoT-Geräten in eine KNX-IoT-

Installation. Vorstellbar ist ein Gateway von Thread zu

KNX und von dort zu anderen Geräten der Haussteuerung

und letztlich auch ins Internet.

Während wir Praktiker uns um die längst fällige Implementierung des Smarthomes mit verfügbarer Tech­

nologie kümmern, gehen bereits nächste Technologieschritte in die Pilotphase. Vielversprechend ist Thread,

ein IoT-Protokoll, das vor allem im Wohnumfeld Geräte direkt mit dem Internet und der Cloud verbindet.