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EDITORIAL |  05 Anzeige Ein Putztuch wird zum Kassenschlager Es ist kein Geheimnis, dass iPhone-Hersteller Apple die Kundschaft für Zubehör gerne tief in die Tasche greifen lässt. So stellte der Konzern vor zwei Jahren einen Monitor für 5000 US-Dollar vor. Für «nur» 1000 Dollar gab es noch einen passenden Standfuss obendrauf. Im selben Jahr kam auch ein neuer Mac Pro auf den Markt. Wer den Desktop zusätzlich mit Rollen ausstatten wollte, musste noch rund 400 Dollar drauflegen. Mit 25 Euro tut Apples neues Zubehörteil dem Porte- monnaie zwar nicht ganz so weh, ist aber trotzdem noch überteuert und sorgt für umso mehr Aufsehen. Laut «New York Times» soll es sich gar um das meistbestellte neue Apple-Produkt handeln. Dabei machte der Tech-Konzern nicht einmal Werbung dafür. Stattdessen stellte er den Artikel im Oktober klammheimlich in den Onlineshop. Beim im Internet unter anderem als «25-Euro-Fetzen» oder «iTüechli» betitelten Produkt, handelt es sich um ein simples Poliertuch. Ohne Apple-Logo findet man so eins auch für 5 Franken. Aber nicht nur der Preis verhalf dem Stück Stoff zu Berühmtheit. Auch die damit veröffentlichte Kompatibilitätsliste sorgte für Schmunzeln und Kopfschüt- teln. Während die Apple-Kundschaft alle iPad- und iPho- ne-Modelle ab dem iPhone 6 bedenkenlos damit putzen kann, scheint das Tuch dem iPhone 5 und älteren Model- len zu schaden. Was passiert, wenn sich jemand damit an ein Samsung-Gerät wagt, will ich mir gar nicht erst ausma- len. Vielleicht hatte aber auch die Person, welche die Kom- patibilitätsliste erstellte, keine Geduld mehr. Kein Wunder, befinden sich so schon 88 Geräte darauf. Auch die Reparaturspezialisten von iFixit wurden auf das Mikrofaserquadrat aufmerksam und zerpflückten es in einem nicht ganz ernst gemeinten Tear-Down. Das im Test als «dünnstes Apple-Produkt aller Zeiten» betitelte Tüechli kommt allerdings nicht so gut weg. Das liegt aber nicht an der Qualität, sondern daran, dass iFixit Geräte jeweils auf ihre Reparierbarkeit testet. Fazit: Ist das Putztuch einmal auseinandergefriemelt, eignet es sich höchstens noch als Füllmaterial. Ob es sich beim Rummel um das Tuch nun um einen geschickten Marketing-Stunt oder reinen Zufall handelt, Apple hat damit bewiesen, dass sich auch mit simplem Zubehör viel Geld und vor allem viel Publicity machen lässt. Mit dieser Ausgabe verabschiedet sich «CEtoday» in die Winterpause. Ich wünsche ein ertragreiches Weihnachtsge- schäft und einen guten Rutsch. Wir sind online weiter für Sie da. In Magazin-Form versorgen wir Sie ab 2022 wieder mit Geschichten aus der CE- und AV-Branche. Nicht nur der Preis verhalf dem Stück Stoff zu Berühmtheit. Leslie Haeny, stellvertretende Chefredaktorin CEtoday

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