Table of Contents Table of Contents
Previous Page  11 / 38 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 11 / 38 Next Page
Page Background

07–08 /2018

www.cetoday.ch

© netzmedien ag

DIE GNI

In der GNI sind Hersteller,

Systemintegratoren und

Dienstleistungsanbieter or-

ganisiert, um das Smart­

home in der Schweiz nach-

haltig zu fördern. Bereits

seit dem Jahr 2000 enga-

giert sich ihre Fachgruppe

«Intelligentes Wohnen» für

dieses Ziel. Sie organisiert

unter anderem Smarthome-Tagungen und ist auch

Mitinitiatorin des Jahrbuchs

«Intelligentes Wohnen». Die

Fachgruppe arbeitet eng

mit dem VSRT, dem VSEI

und weiteren Verbänden

zusammen, denn Vernet-

zung fordert alle Branchen.

Vertiefte Informationen und

Ausbildung sind weitere

wichtige Aufgaben der

Fachgruppe.

Berufsbilder der Elektrotechnik im Wandel

In den kommenden fünf Jahren werden sich die Gebäude-

technik und die darin agierenden Akteure deutlich wan-

deln, formieren und segmentieren. Jedes Unternehmen in

der Elektrobranche muss sich die Frage stellen, welche

technologische Entwicklung es anstreben will oder kann –

ob finanziell, in Bezug auf die zur Verfügung stehenden

Ressourcen oder das verfügbare und geeignete Personal.

Der Elektroinstallateur muss – will er nicht zur ausster-

benden Spezies gehören – die Installation einfacher Auto-

mationssysteme anbieten können. Die Auseinanderset-

zung mit entsprechenden Systemen ist absolut zwingend,

er hat sonst in naher Zukunft keineMöglichkeiten, gerade

im Wohnbau adäquate und zeitgemässe Lösungen für

Kunden zu installieren. EineWohnung ohne Smarthome-

Ansatz ist voraussichtlich ab 2020 kaum denkbar.

Der Standard ist digital

Die Hersteller bieten für die Anforderungen an den «Typ»

Elektriker eine grosse Vielfalt unterschiedlicher Systeme

wie Free@Home von ABB, Tebis vonHager, Luxor Living 2

von Theben, aber auch Feller Zeptrion beziehungsweise

Zeptrionair und schliesslich KNX, basierend auf demKon-

figurationstool ETS Inside beziehungsweise dem zukünf-

tigen Smarthome-Planer. Diese sind einfach zu konfigu-

rieren, es gibt keine stichhaltigen Argumente mehr, sie

nicht in Neubauprojekten vomElektriker standardmässig

einzusetzen beziehungsweise vom Ingenieur bereits in der

Planungsphase vorzusehen. Die Light & Building 2018 in

Frankfurt zeigte eindrücklich, welch grosse Anstrengun-

gen die Hersteller die letzten zwei Jahre unternommen

haben, umdie Systeme cleverer zumachen. Der Preis, der

gegebenenfalls höher ausfällt als bei einer schlichteren

Installation, sollte bei der Entscheidung für die Integration

eines solchen Systems nicht den Ausschlag geben. Diese

digitale Art der Installationstechnik ist bereits «State of the

Art» und erfordert nur Basiswissen im Bereich Gebäu-

deautomation. Diese Installationen sind die Elektroinstal-

lation von heute und nicht erst von morgen.

Der Systemintegrator wird sich um die etwas umfas-

senderen, aber dennoch «einfacheren» Systeme küm-

mern. Damit bildet er das Mittelfeld in der technologi-

schen Abgrenzung zwischen einfachen und konsequent

digitalisierten Projekten. Die logische Topologie und die

klaren Vorgaben der Technologien helfen ihm, umfassen-

de Anlagen zu planen, zu installieren und in Betrieb zu

nehmen. Zu diesen Systemen zählen vor allem KNX, Di-

gitalstromund weitere proprietäre Systememit ähnlicher

Funktionalität. Ausser dem Know-how zu einzelnen Ap-

plikationen werden hier zunehmend gewerkübergreifen-

de Fachkenntnisse gefordert sein. Diese Art der Integra­

tion beziehungsweise des Smarthome-Ansatzes wird sich

jedoch auch eher auf «einfachere» Projekte beschränken

oder zukünftig nur noch einen Teilbereich einer gesamten

Installation im Grossprojekt ausmachen.

Auch der Systemintegrator sollte sich deshalb um seine

Zukunft Gedanken machen. Will er sich weiterentwi-

ckeln? Das nötige Grundwissen hätte er, doch hat er auch

die Ressourcen und die Fähigkeiten, das nächste Level der

Smarthome-Automation zu erreichen?

Der Gebäudeinformatiker

Er gehört zur Spezies, die auchmit nicht physischen Struk-

turenNetzwerke entwerfen und strukturieren kann. Dazu

jongliert er in seinen Projekten eher mit Applikationsan-

wendungen, Layern und Protokollen. Er hat das Potenzial,

die unterschiedlichsten Technologien eines Gebäudenetz-

werks, vor allem imZweckbau, aber auch imumfassenden

Smarthome, auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Dabei verfügt er ausser über grundlegende HLKE-Kennt-

nisse über umfassendes Netzwerk-Know-how und ist sat-

telfest in Fragen zu Security, Verschlüsselung und Cloud-

Anwendungen in komplexenNetzwerken. Auch vor neuen

Programmier-Tools und Webanwendungen schreckt er

nicht zurück. Sein Aufgabengebiet reicht weit über dasje-

nige des «klassischen» Systemintegrators hinaus. Die neue

Ausbildung «Projektleiter Gebäudeautomation» geht ge-

nau in diese Richtung.

Die Stellung eines Gebäudeinformatikers wird aber

wohl weniger von Informatikern besetzt werden. Denn für

sie wird die Gebäudeautomation nicht so ansprechend

sein wie andere Informatikthemen. Gerade deshalb hat

der Systemintegrator grosses Entwicklungspotenzial hin-

sichtlich seiner persönlichenWeiterentwicklung. Die Fra-

ge- und Aufgabenstellungen, die es dabei zu lösen gibt,

sind auf einer anderen Abstraktionsebene, als seine bis-

herigen Systemintegrationsaufgaben es verlangten. Der

Systemintegrator tut deshalb gut daran, sich zumBeispiel

gezielt Richtung Applikationsentwicklung weiterzubilden,

um den Anschluss an die technologische Entwicklung

nicht zu verpassen.

Das Berufsbild ist vielfältig, die Digitalisierung allgegenwärtig: Wer gestern Stromer war, ist heute

Elektroinstallateur und morgen vielleicht Gebäudeinformatiker, die analoge Installation hat längst aus-

gedient. Zu welcher Berufsgruppe man sich gesellt, liegt aber in der Ausrichtung des Unternehmens.

In Kooperation

MARKET 

Smarthome-News | 

13

René Senn

Fachgruppe Intelligentes

Wohnen der GNI

DER AUTOR