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ELEKTRO HEUTE

/04 / 2018

www.cetoday.ch

© netzmedien ag

sen wir dem Kunden zuhören und sofort nach einer Lö-

sung suchen. Wenn wir einen Kunden verlieren, müssen

wir die Prozesse verändern, damit so etwas nicht mehr

passiert. Damit wird die Reklamation zur Chance. Das gilt

auch für den Verkauf.

Brauchen Sie dafür mehr Personal?

Nein, wir sind sehr gut aufgestellt und brauchen nicht mehr,

aber auch nicht weniger Mitarbeiter. Es geht vor allem um

komplizierte Prozesse, die nicht verknüpft sind. Es ist müh-

sam, wenn der Kundemehrmals etwas erzählenmuss, weil

unterschiedliche Abteilungen nicht optimal verknüpft sind.

Das will ich aufbrechen. Wir können viel Synergienmit dem

Konzern nutzen, sei es bei der Soft- oder Hardware. Damit

hätten wir wieder mehr Zeit für den Kunden.

Wie wollen Sie Bauknecht Schweiz ausrichten?

Wir haben das Objekt-, das Retail- und Online-Business,

das wir zusammenzählen, sowie die Händler, die jeweils

etwa ein Drittel ausmachen. Dafür brauchen wir die richti-

ge Strategie, weil sich einzelne Kanäle schon heute zu stark

kannibalisieren. Deshalb kommen wir mit einer neuen Seg-

mentstrategie. Indesit wird im Retail und Onlinegeschäft

angesiedelt werden, Bauknecht im Fachhandel und Objekt-

geschäft. Es kann aber auch sein, dass wir Bauknecht in

verschiedene Segmente aufteilen. Ausserdem werden wir

nächstes Jahr mit Kitchen-Aid-Einbauküchen imPremium-

bereich starten. Damit decken wir alle Segmente ab.

Welche Bedeutung haben die einzelnen Marken für

Bauknecht Schweiz?

Whirlpool ist der weltweit grösste Hersteller im Weiss­

warenbereich. In der Schweiz hat die Marke Whirlpool

vielleicht keine so grosse Bedeutung wie anderswo in Eu-

ropa. Der Brand Bauknecht existiert 2019 seit 100 Jahren

in Europa und hat daher einen hohen Bekanntheitsgrad.

Ursprünglich war Bauknecht in Deutschland ein Herstel-

ler für Haushaltsgeräte. Seit 1991 gehört Bauknecht zum

amerikanischen Konzern Whirlpool. Indesit ist unsere

neueste Errungenschaft. Mit Kitchen Aid wollen wir ab

2019 im Premium-Bereich Fuss fassen. Mit diesen Brands

können wir die ganze Marktsituation abdecken.

Wie nehmen Sie den Handel wahr?

Obwohl es ein Fachhandelssterben in der Weisswaren-

branche gibt, wird ein grosser Teil bleiben. Und zwar die-

jenigen, die sich neu ausrichten und sich etwa mit den

IT-Fachhändlern abgleichen. Einige müssen noch lernen,

ihren Fokus auf Dienstleistungen zu legen. Wir haben das

Privileg, dass der Kunde in der Schweiz bereit ist, bis zu 30

Prozent mehr zu bezahlen, wenn die Qualität und vor al-

lemdie Dienstleistung stimmt. Bei Einbaugeräten wird es

immer Dienstleister brauchen. ImGegensatz dazu gibt es

kleinere Fachhändler, die nur freistehende Geräte ohne

Service verkaufen. Diese können heute fast nicht mehr mit

den Preisen der Onlinehändler konkurrieren.

Warum gibt es die hohen Preisunterschiede bei Haushalts-

geräten?

Das ist ein branchenspezifisches Problem, weil wir über

zu viele diverse Kanäle verkaufen müssen. Einerseits ver-

kaufen wir in die Baubranche und dann auch über den

Fachhandel, Retailer und Onliner. Wir suchen daher nach

Lösungen, damit alle zumindest im Kern dasselbe anbie-

ten können. Darum planen wir auch die neue Segment­

ausrichtung. Der Fachhandel kann etwa dem Kunden

erklären, warumeine gewisseMaschine teurer ist und was

sie besser macht als eine andere – das kann der Onliner

nicht so detailliert und kundennah.

Welchen Support bietet Bauknecht, damit der Handel die

Vorteile erklären kann?

Wir bieten Schulungen, Tagungen und Ausbildungen an

und sind wohl der Haushaltsgeräte-Brandmit dem gröss-

ten Service in der Schweiz mit zirka 80Mitarbeitern. Vom

Innendienst über Sales-Support bis zumTechniker bieten

wir alles, was zum Service gehört. Ausserdem haben wir

Mitarbeiter, die den Handel am POS unterstützen.

Welche Entwicklung erwarten Sie im Onlinehandel?

Es wird sicher viel mehr werden in unserer Branche, als

man denkt. Die Onliner schlafen nicht und werden in Zu-

kunft auch Einbau anbieten. Wennman nach China blickt

und sieht, was dort online abgeht, ist klar, dass es verzögert

auch in der Schweiz dazu kommen wird. Wenn man Ob-

jektgeschäfte erst einmal über die IT in einer App abwi-

ckeln kann, wird das grosse Veränderungen etwa bei der

Preisstrategie geben. Dafür braucht es in unserer Branche

aber noch Zeit.

Wie verlief die Umstellung von Bauknecht auf die europäi-

sche Produktion?

Ich bin erst seit Januar 2018 bei Bauknecht. Aber natürlich

habe ich von Kunden gehört, dass wir die letzten zwei Jah-

re Lieferengpässe und Probleme mit der Qualität hatten.

ZumGlück haben wir das per heute praktisch alles gelöst.

Heute produzieren wir in Europa, hauptsächlich in Italien,

für Europa. 2020 werden wir der erste Haushaltsgeräteher-

steller sein, der alles recyclebar anbietet, selbst die Verpa-

ckung. Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Leider sind

PEOPLE

ONE-TO-ONE

PERSÖNLICH

Sandy Oppliger (48) ist seit Januar 2018 Head of Sales von Bauknecht und

verfügt über 20 Jahre Erfahrung auf verschiedenen Führungsstufen in IT-

Unternehmen sowie Firmen verwandter Branchen. Vor ihrer Tätigkeit bei

Bauknecht leitete sie bei 3M den Bereich Konsumgüter Schweiz.

Sandy Oppliger hat verschiedene Ausbildungen absolviert. Unter anderem

hat sie einen Abschluss als Executive MBA in Unternehmensführung der

Universität Luzern.

«WIR HABEN DAS PRIVILEG,

DASS DER KUNDE IN DER

SCHWEIZ BEREIT IST, BIS ZU

30 PROZENT MEHR ZU

BEZAHLEN, WENN DIE QUA-

LITÄT UND VOR ALLEM DIE

DIENSTLEISTUNG STIMMT. »

Sandy Oppliger, CEO,

Bauknecht Schweiz